Neu – direkt aus meinem Giftschrank

 

Achtung! Nur für Leser mit starken Nerven und über 18 Jahren geeignet.

Direkt aus meinem Giftschrank.

Eine rabenschwarze Berichterstattung über frühere Essgewohnheiten, Doppelmoral und menschliche Abgründe.

Meine Empfehlung: Text bitte mindestens zweimal lesen…

 

 

Liebe Freunde,

immer wieder werde ich gefragt, was für ein etwas ungewöhnliches Geschäft meine Familie eigentlich während meiner Kindheit, also in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, betrieben hat.

Damit ich es nicht jedes Mal aufs Neue ausführlich erklären muss, habe ich beschlossen, die Geschichte hier aufzuschreiben. Ich kann euch allerdings schon jetzt versichern: Es ist keine ganz alltägliche Familiengeschichte.

Also, das war so:

Meine Großeltern betrieben während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eine sogenannte Welpen-Schlachterei. Ein durchaus einträgliches Geschäft, das unserer Familie half, die schwierigen Nachkriegsjahre einigermaßen unbeschadet zu überstehen. An Fleisch mangelte es uns jedenfalls nicht. Schließlich gab es kaum noch Metzgereien, und Fleisch war für die meisten Menschen ein seltenes und begehrtes Gut.

Für die Zucht hielten meine Großeltern zunächst zwei bis drei Rüden. Gegen Ende des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren waren es zeitweise bis zu vierzig Hündinnen. Allesamt kleine und mittelgroße Mischlingshunde.

Die Welpen wurden nach der Geburt sorgfältig aufgezogen, ordentlich gemästet und im Alter von etwa drei bis vier Monaten – bei einem Gewicht von ungefähr vier Kilogramm – der weiteren Verarbeitung zugeführt.

Dabei legte man durchaus Wert auf die Qualität des Endprodukts: Welpen großer Hunderassen waren weniger gefragt, da ihr Fleisch angeblich nicht so zart und ihr Geschmack nicht so fein und neutral war wie der ihrer kleineren Artgenossen.

Und weil die ursprüngliche Firmenbezeichnung „Welpen-Schlachterei“ selbst meinen Großeltern auf Dauer etwas zu derb und geschäftsschädigend erschien, wurde der Betrieb schon bald nach seiner Gründung kurzerhand umbenannt.

Aus der Welpen-Schlachterei wurde eine „Welpen-Mästerei“.

Das klang doch gleich viel freundlicher, oder?

Heute würde man einen solchen Betrieb vermutlich etwas moderner und internationaler als „Welpenfarm“ bezeichnen.

Zunächst wurden die Welpen ganz traditionell mit dem Messer getötet. Später ging man dann zu einer vermeintlich humaneren Methode über: der Vergasung.

Allerdings bekam das Wort „Gas“ in Deutschland aus bekannten historischen Gründen schon kurz nach dem Krieg einen zunehmend unangenehmen Beigeschmack. Ihr wisst sicher, was ich meine.

Also suchten wir nach einer zeitgemäßeren und vor allem politisch unbelasteten Lösung. Schließlich kamen wir auf Flüssigstickstoff. Darin mussten die Tiere nur noch kurz eingetaucht werden. Eine tiergerechte, saubere, schnelle und nach damaliger Auffassung ausgesprochen fortschrittliche Methode.

Ob das nun tatsächlich humaner war, sei dahingestellt. Hummer werden schließlich bis heute lebendig in kochendes Wasser geworfen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was davon die angenehmere Variante ist.

Die Welpen wurden normalerweise vollständig, allerdings ohne Kopf, an die Kunden ausgeliefert. Lediglich das Fell wurde vorher abgezogen und auf Wunsch separat der Sendung beigelegt. Dieser besondere Service war sogar kostenlos.

Mit der Wiederaufnahme des Postverkehrs konnten wir unsere Waren später auch wieder per Paket verschicken. Ein paar Jahre später gab es dann bereits vakuumverpackte Ware – alles sauber in Klarsichtfolie eingeschweißt – und selbstverständlich immer in einem neutralen Karton versandt. Schließlich musste ja nicht jeder Postbote wissen, was er da gerade auslieferte.

Noch schneller war der Expressversand mit der Bahn, wo wir auch ein gut bekannter Einlieferer waren.

Mit der Zeit verlangten allerdings immer mehr Kunden, dass die Tiere bereits ausgenommen geliefert wurden. Auch darauf stellten wir uns selbstverständlich ein.

Aus den dabei anfallenden Köpfen und Innereien stellten wir unter Zugabe selbstgesammelter Kräuter und einer reichhaltigen Auswahl an Gewürzen eine ausgesprochen schmackhafte Sülze her. Zunächst in kleinen Dosen, später dann in Gläsern mit praktischem Schraubverschluss. Nichts sollte schließlich verschwendet werden.

Auch für die Felle fanden wir bald eine wirtschaftlich sinnvolle Verwendung. Da viele Kunden diese nicht mehr haben wollten, verkauften wir sie einzeln oder in größeren Partien an spezialisierte Kürschnereien. Daraus wurden vorwiegend Handschuhe, Jacken und gelegentlich sogar ganze Mäntel gefertigt.

Ich selbst besaß als Kind ebenfalls solche Handschuhe und erinnere mich gerne noch heute mit großer Freude daran. Sie waren ausgesprochen behaglich, sehr weich und hielten wunderbar warm.

Neben dem Fleisch hatten wir übrigens auch Welpenschmalz im Angebot. Dieses nahezu geschmacksneutrale und erstaunlich wenig nach Hund riechende Produkt wurde während und unmittelbar nach dem Krieg nicht nur zum Braten verwendet. Mangels anderer Pflegeprodukte schätzte man es auch als vitaminreiche Hautcreme und Wundsalbe, insbesondere wegen seines Gehalts an Vitamin D und E.

Später entdeckte man dann auch den kulinarischen Wert dieses besonderen Erzeugnisses. Mit Majoran, etwas Salz und einer geheimen Gewürzmischung wurde daraus ein durchaus beliebter Brotaufstrich für anspruchsvolle Liebhaber.

In den fünfziger Jahren brachten wir schließlich noch eine verfeinerte Variante mit Apfelstückchen und Grieben auf den Markt. Eine echte Delikatesse!

In den Alpenländern gab und gibt es schließlich ebenfalls das berühmte Murmeltierfett, das man seit Generationen und auch heute noch zur Förderung der Durchblutung und zur Linderung rheumatischer Beschwerden verwendet. Warum sollte man also nicht auch andere tierische Erzeugnisse sinnvoll nutzen?

Besonderen Wert legten meine Großeltern und später auch meine Eltern stets auf eine ordentliche Tierhaltung. Die Hündinnen hatten vernünftige, trockene Wurfboxen, ausreichend Platz und sollten sich möglichst wohlfühlen. An der Unterbringung durfte nicht gespart werden!

Allerdings gab es bis zur Währungsreform 1948 erhebliche Schwierigkeiten bei der Beschaffung des Futters. Davon musste schließlich immer genug vorhanden sein. Bei der Herstellung des Futters durfte man deshalb auch nicht allzu zimperlich sein. Wirtschaftlichkeit war schließlich schon damals ein wichtiges Gebot.

Von Tierquälerei konnte also beim besten Willen keine Rede sein. Das behaupteten lediglich unsere übelwollenden Nachbarn, die unser Geschäftsmodell offenbar nie so recht verstanden hatten.

Im Gegenteil: Wir taten alles, um die Tiere so tiergerecht wie möglich zu halten. Das Wort „artgerecht“ war damals noch gar nicht erfunden; offenbar waren wir unserer Zeit weit voraus.

Tierschutz im heutigen Sinne gab es ebenfalls noch nicht. Mit einem Wort: Alles lief ordentlich, hygienisch und nach bestem Wissen und Gewissen ab.

Schließlich essen Menschen seit Anbeginn der Zeit die Tiere ihrer jeweiligen Umgebung. Und wir mussten ja auch von irgendetwas leben.

Dass unser Geschäft durchaus einträglich war, zeigte sich übrigens recht bald an unserem Lebensstandard. Bereits 1953 gehörten wir zu den ersten Familien unserer Kleinstadt, die sich einen fabrikneuen Mercedes 180 leisten konnten. Später wurde daraus sogar ein Mercedes 220SE.

Auch beim technischen Fortschritt waren wir vorne dabei: Wir waren die erste Familie in unserer Straße, die einen Fernseher besaß.

Plötzlich hatte ich unglaublich viele Freunde. Manchmal sogar solche, die ich vorher noch nie gesehen hatte.

Man darf dabei natürlich nicht vergessen, wie schwierig die wirtschaftliche Situation damals war. Viele Menschen hatten weder Arbeit noch ein gesichertes Einkommen und entsprechend wenig zu essen. Wir hingegen konnten mit unserer Arbeit nicht nur unsere eigene Familie ernähren, sondern auch unsere Angestellten und unsere Kunden versorgen.

Darauf waren wir durchaus stolz.

Dass ich in der Schule deswegen gelegentlich gehänselt wurde, habe ich nie so recht verstanden. Wahrscheinlich war es einfach nur Neid.

Mitte der fünfziger Jahre begann unser Umsatz allerdings spürbar zurückzugehen. Inzwischen gab es wieder genügend Schweine- und Rindfleisch beim normalen Metzger. Die Menschen mussten nicht mehr auf unsere Spezialitäten zurückgreifen.

Wir stellten deshalb nach und nach auf einen kleineren, exklusiveren Kundenkreis um. Bis in die späten sechziger Jahre belieferten wir nur noch ausgewählte private Gourmets in Deutschland und den umliegenden Ländern.

Besonders in Belgien erfreute sich unser Angebot noch lange großer Beliebtheit. Dort war man offenbar auch weiterhin ausgesprochen hundefreundlich.

Katzen eigneten sich übrigens ebenfalls hervorragend für den menschlichen Verzehr. Gerade in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren entwickelten manche findigen Bauern eine besonders pfiffige Geschäftsidee: Sie verkauften Katzen kurzerhand als Stallhasen.

Das war damals durchaus pragmatisch, denn Hasen und Katzen sehen ohne Fell bekanntlich verblüffend ähnlich aus. Selbst erfahrene Hausfrauen hätten sie nach der Zubereitung kaum auseinanderhalten können.

Die dabei anfallenden Katzenfelle fanden ebenfalls dankbare Abnehmer. Schon damals und teilweise noch heute werden sie zur Linderung von Gicht- und Rheumabeschwerden verwendet.

Man sieht also: Eine ordentliche Verwertung des gesamten Tieres hatte bei uns Tradition.

Und wer sich jetzt mit Grausen von mir abwendet und womöglich sogar darüber nachdenkt, mir die Freundschaft zu kündigen, dem möchte ich doch einmal eine ganz einfache Frage stellen:

Isst du etwa kein wundervolles Kotelett vom Milchlamm? Kein knuspriges Spanferkel? Kein butterzartes Schnitzel vom Kälbchen?

Oder andere niedliche Streicheltiere? Stubenküken? Zicklein? Rehkitz? Pony? Goldhamster? (Werden in Argentinien gerne gegessen.)

Warum also keine sorgfältig und artgerecht aufgezogenen jungen Hunde?

Ich jedenfalls liebe Welpen. Sie sind schließlich etwas ganz Besonderes. Immer zart, sehr saftig, ausgesprochen schmackhaft und beim sorgfältigen Grillen wunderbar knusprig.

Am liebsten mit etwas Knoblauch, Ingwer und Thymian eingerieben und mit einer herzhaften Brot-Hackfleisch-Mischung gefüllt. Eine kleine Zwiebel im Mäulchen sieht dabei übrigens ausgesprochen drollig aus.

Alternativ empfehle ich, das Fleisch ein bis zwei Tage in Rotwein mit einigen Lorbeerblättern und Nelken einzulegen. Auch in einem knusprigen Teigmantel schmecken sie ganz hervorragend.

Aber ich möchte hier nicht zu sehr ins kulinarische Detail gehen. Schließlich soll einem beim Lesen der Appetit nicht gleich allzusehr hochschnellen.

 

P.S. Und die klugen Chinesen möchte ich an dieser Stelle ausnahmsweise auch nicht bemühen. Das würde wahrscheinlich doch zu weit führen.

 

Anmerkung: Ein kleines Heft mit einer Sammlung unserer damals bewährten und erprobten Welpenrezepte reiche ich für interessierte Kenner und Liebhaber gerne nach. Stand September 1959.

(Schutzgebühr: 12 Euro zzgl. Versand.)

 

 


 

 

Und bevor jetzt jemand seinen Anwalt, den Tierschutzverein oder gleich die Staatsanwaltschaft verständigt: Bitte erst einmal ganz tief durchatmen! Und entspannen! Es ist alles erfunden und erlogen!

Man sollte nicht immer alles und jedes für bare Münze nehmen.

Das Ganze war (selbstverständlich) nur Spaß und entspringt ausschließlich der wirren Fantasie (m)eines offensichtlich nicht ganz gesunden Hirns!

Ich entschuldige mich hiermit ausdrücklich für den ganzen Unsinn. Selbstverständlich ist nichts davon wahr! Die Geschichte wurde an einem feuchtfröhlichen Abend am Stammtisch spontan erfunden und unter unendlich viel Gelächter immer weiter ausgeschmückt.

Männer können ja so albern sein, wenn sie zu viel getrunken haben.

 

 

 

Nachtrag für alle, die sich inzwischen ernsthaft Sorgen um mein Seelenheil machen.

Aufgrund der teilweise recht hochschlagenden emotionalen Wellen, einiger empörter Zuschriften und sogar persönlicher Beleidigungen möchte ich ausdrücklich noch einmal klarstellen:

Der gesamte vorstehende Beitrag ist rabenschwarze Satire und völlig frei erfunden! Er stammt weder aus meinem Leben noch gibt er meine persönliche Meinung wieder. Es handelt sich ausschließlich um eine groteske Fantasiegeschichte, die niemals einen realen Hintergrund hatte!

Und ja, ich gebe es unumwunden zu: Man benötigt schon einen ziemlich großen Humor, um das alles noch witzig zu finden.

Wer bis hierher gelesen hat, ohne mich endgültig aus seinem Freundeskreis zu verbannen, darf sich jedenfalls meiner besonderen Hochachtung erfreuen.

 

 

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